Computerspielwissenschaften – Konzept

Grundgedanke

Der MasterstudiengangComputerspielwissenschaften“ sieht sich in der Tradition anderer Disziplinen, die sich wissenschaftliche mit einem Medium auseinandersetzen, von der Literatur- und Theater- bis zur Film- und Fernsehwissenschaft. Uns geht es darum, ein systematisches und fundiertes Verständnis für das Medium Computerspiel zu vermitteln und dabei sowohl kulturhistorische und medientheoretische Einordnungen vorzunehmen als auch technische und algorithmische Kompetenzen für die Realisierung eigener Projekte zu fördern, in denen die Ausdrucksmöglichkeit des Mediums erforscht und erweitert wird.

Qualifikationsprofil der Studierenden

Der typische Bewerber und die typische Bewerberin hat entweder einen BA-Abschluss mit Games-Bezug bzw. einen informatiknahen oder mediennahen Studiengang abgeschlossen, in dem er oder sie sich bereits mit Spielen beschäftigt hat. Je nach Ausbildungshintergrund und gewählten Track (s.u.) werden propädeutische Module der Medienwissenschaft bzw. der Informatik nachzuholen sein.

Während des viersemestrigen Studienverlaufs können sowohl medienwissenschaftliche als auch informatische Konzepte und Methoden erlernt werden, um Computerspiele als Medium sowohl in ihrer soziokulturellen Bedeutung als auch in ihrer technischen Gemachtheit zu verstehen, sie kritisch einzuordnen und aktiv mitzugestalten. Je nach Interesse kann anschließend eine wissenschaftliche Weiterqualifikation in dem angeschlossenen Promotionsprogramm Computerspielwissenschaften oder eine Karriere in der Spieleindustrie angestrebt werden.

Aufbau des Studiengangs

Der Studiengang wird aus den beiden Säulen Medienwissenschaft und Informatik gebildet, die durch Theorie/Praxis-Veranstaltung sowie Projekte explizit miteinander verbunden werden.

Je nach Ihren Voraussetzungen, Interessen und Zielen können Sie aus einem von drei Tracks auswählen:

  • Computerspielwissenschaften, eine Kombination von Game Studies, Game Design, Game Development und Informatik.
  • Spiel und Medien mit dem Schwerpunkt (63 %) auf Medien- und geisteswissenschaftliche Methoden und Inhalte, die auch über Game Studies hinausgehen. Hinzu kommen Angebote im Game Design und der Projektentwicklung. In diesem Track sind keine technischen Vorkenntnisse erforderlich und keine informatischen Veranstaltungen vorgesehen.
  • Spiel und Informatik mit einem Schwerpunkt (78 %) auf Informatik, auch über Games-bezogene Themen hinaus. Hinzu kommen Angebote im Game Design und Development. In diesem Track sind keine geisteswissenschaftlichen Vorkenntnisse erforderlich und keine geisteswissenschaftlichen Veranstaltungen vorgesehen.

In den Spielprojekten arbeiten Studierende aus den verschiedenen Tracks in interdisziplinären Teams zusammen, um digitale, analoge oder hybride Spiele zu entwickeln.

In der oben verlinkten Datei finden Sie eine Gliederung des Studiengangs sowie einen exemplarischen Studienverlauf für jeden Track.

Der Studiengang umfasst insgesamt folgende Modulbereiche, die den einzelnen Track zugeordnet werden:

Propädeutikum

Legt verpflichtend die Grundlage für Studienanfängerinnen und Studienanfänger, die nicht genügend Vorkenntnisse in einem der von ihnen gewählten Modulbereiche mitbringen.

Medien- und Geisteswissenschaft (Track Spiel und Medien)

Zu den medienwissenschaftlichen Veranstaltungen gehören Medientheorie, Medienkultur, Mediengeschichte und Medienästhetik. Dabei soll der Blick nicht nur auf Spielen liegen, sondern auch andere Mediengattungen umfassen, um das Spiel in einem größeren Rahmen einordnen zu können. Die beiden frei wählbaren interdisziplinären Module bieten darüber hinaus Einblicke in andere geisteswissenschaftliche Fächer. 

Game Studies (CSW sowie Spiel und Medien)

In den medienkulturwissenschaftlichen Game Studies geht es um die Medientheorie und Medialität des Computerspiels, um Figurationen des Medialen sowie um Computerspiele im Kontext wechselnder Themenbereiche. 

Game Design (alle Tracks)

Im Game Design werden Spiele konzipiert und erste Prototypen iteriert. In Projekten werden die konzeptionellen Vorarbeiten anschließend praktisch umgesetzt. Mögliche Organisationsformen der praktischen Arbeiten umfassen u.a. eine simulierte oder tatsächliche Firmengründung mit Unterstützung durch das Gründerzentrum, Spielprojekte als Portfolioarbeit oder Praxis-Blockseminare, z.B. Game Jams mit anschließendem Polishing zur Veröffentlichung.

Projekte verbinden die Modulbereiche der Medienwissenschaft und der Informatik.

Informatik (Track CSW sowie Spiel und informatik)

Neben speziell auf die Entwicklung von Spielen zugeschnittenen Veranstaltungen geht es um allgemeine informatische Kompetenzen, die bei der technischen Entwicklung von Computerspielen erforderlich sind.

Module mit deutlichem Computerspielbezug sind z.B. Computergrafik I, II, III Software Engineering I, II, Künstliche Intelligenz I, II, Mensch Computer Interaktion, Animation und Simulation.

Im Track Spiel und Informatik sind für ein breiteres Kompetenzspektrum zusätzliche Module aus der Informatik zu belegen.

Intra-/Interdisziplinäres Ergänzungsstudium (Ludium Generale)

Hier können, in Absprache mit der Studiengangsmoderin oder dem Studiengangsmoderator, freie Module aus beliebigen Studiengängen gewählt werden. Dazu gehören auch Module aus dem Gründerzentrum, die bei dem Weg in die Selbstständigkeit helfen (Stichwort: Entrepreneurship). Im Gegensatz zum Studium Generale kann bei den Modulprüfungen eine Anwendung auf das Thema Computerspiele gewählt werden, um das Erlernte z.B. in ein Spielkonzept zu überführen.

Abschluss-Modul Master-Arbeit

Die Masterarbeit wird in einer Dispuation verteidigt und beschließt den Masterstudiengang.

Berufsfelder

Die Expansion der Computerspiele bedingt sowohl eine Ausweitung des Bedarfs an gut ausgebildeten akademischen Kräften als auch die Notwendigkeit einer Neuentwicklung von Studiengängen mit entsprechenden Qualifikationsprofilen. Die Weiterentwicklung des Mediums erfordert in zunehmendem Maße nicht mehr rein technisch ausgebildete ‚Expertinnen und Experten’, sondern Absolventinnen und Absolventen mit einem breiteren medien- und technikwissenschaftlichen Horizont, die befähigt sind, komplexe Zusammenhänge zu analysieren und Prozesse der medialen Produktion und Rezeption von Computerspielen zu steuern. Der Master-Studiengang Computerspielwissenschaften bietet die Chance, auf diese Herausforderungen zu reagieren und zusätzliche Kompetenzen zu erwerben, die den Absolventinnen und Absolventen folgende Berufsfelder eröffnen:

  • Wissenschaftliche Weiterqualifizierung

  • Tätigkeiten in der Spiele- und Medienindustrie

    Programmierung (Middleware, KI, Grafik, Interfaces, Gameplay) | (Technisches) Gamedesign | Game Writing | Koordinatorische Tätigkeiten in Marketing oder Marktforschung | Koordinatorische Tätigkeiten in den Bereichen Lokalisierung, QA und Testing

  • Beratung in Bereichen wie Gamification und Game-based Learning in unterschiedlichen Branchen

  • Redaktionelle Tätigkeiten

  • Erwachsenenbildung sowie Fort- und Weiterbildung

  • PR, spielorientiertes Marketing, Kulturmanagement

  • Journalismus (nicht ausschließlich im Bereich der Spielepresse)

Zur Vermittlung von Praktika und für gelegentliche Gastvorträge, die zusätzliche Perspektiven für mögliche spätere berufliche Tätigkeiten bieten, bestehen nationale und internationale Kontakte in die Computerspielindustrie.

Gesamtqualifikation

Am Ende des Studiums im Master Computerspielwissenschaften können Studierende:

  • Computerspiele als Medienprodukte analysieren, historisch, sozial, kulturell und medial kontextualisieren und auf verschiedenen Ebenen interpretieren
  • Computerspiele als informationstechnische Systeme analysieren, modellieren und prototypisch umsetzen
  • sich fachlich fundiert zu Computerspielen und zur Spiele-Branche äußern
  • selbstständig zu spezifischen Fragestellungen recherchieren und die Ergebnisse in Form von Spielkonzepten, Prototypen oder schriftlichen Texten umsetzen
  • kreative Impulse für die Entwicklung von Computerspielen geben
  • zielorientiert im Team an der Realisierung von Computerspiel-Projekten arbeiten

Der Studiengang vermittelt fachwissenschaftliche Grundkompetenzen sowie die Fähigkeit zu einer praktischen medialen Umsetzung von wissenschaftlichen und kreativen Spiel-Konzepten. Zusätzlich werden die Studierenden gezielt dazu angeleitet, Teamfähigkeit zu entwickeln und im Team Forschungsprojekte umzusetzen und Computerspiele zu gestalten.

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